Fantasiereise – bist du bereit?

Kennt ihr das auch? Der Tag war irgendwie stressig, das Wetter eher schlecht, so dass man auch nicht viel draußen war, man war unzufrieden und genervt und mit dem Zeitplan hat es auch alles nicht so geklappt. Jetzt ist es acht Uhr und die Mäuse sind immer noch wach, haben viel zu spät gegessen und sind vollkommen überdreht und nörgelig. Das einzige was jetzt noch hilft ist runter kommen, alles unwichtige liegen lassen und sich gemeinsam aufs Sofa oder gleich ins Bett kuscheln. Und wie wäre es, statt der abendlichen Gutenachtgeschichte mit einer Fantasiereise?

Fantasiereisen sind eine tolle Möglichkeit zur Stressbewältigung und um den häufig viel zu hohen Muskeltonus herunter zu fahren.
Gerade für Kinder sind sie eine schöne Strategie, in einem hektischen Alltag kurz zur Ruhe zu kommen. Sie regen die Fantasie an und können eine tolle Bereicherung für die Eltern-Kind Beziehung sein. Vor allem, wenn man noch sanfte Massagen einbaut. Durch die Berührung werden zusätzlich das Immunsystem angeregt, Endorphine frei gesetzt, die glücklich machen und außerdem Oxytocin ausgeschüttet, was beruhigend und stress- und angstlindern wirkt. Eine Fantasiereise mit Massage kann also in vielen Situationen eine tolle Hilfe sein, zum Beispiel am Abend vor oder nach einem anstrengenden Tag, vor dem Einschlafen oder wenn das Kind sehr traurig ist.

Ich habe einen Sohn, der eher stressanfällig und oft sehr angespannt ist. Wir haben die Fantasiereisen eingeführt, um etwas Druck von ihm zu nehmen, zum Beispiel nach der Schule. Wir ziehen uns dann für zehn bis zwanzig Minuten zurück, machen eine schöne Entspannungsmusik an (z. B. auf Youtube, Schlagwort “Entspannungsmusik für Kinder”) und lesen eine Fantasiegeschichte. Dabei liegt er meistens mit dem Bauch über meinem Schoß, so dass ich ihm den Rücken massieren und kraulen kann. Der Raum sollte schön warm sein.

Da wir uns sowieso gerne zusammen Geschichten ausdenken, habe ich angefangen, die Fantasiereisen selbst zu schreiben. Hier ist ein Beispiel:

(Diese Geschichte eignet sich am besten zum Einschlafen. Langsam und ruhig vorlesen. Zwischendurch kurze Pausen machen und das Kind tief ein und aus atmen lassen.)

Die Reise zu den Sternen

Es ist Nacht. Der Mond leuchtet hell in dein Zimmer. Das silbern helle Licht scheint dir ins Gesicht und kitzelt dich an der Nase. Du stehst auf und setzt dich ans Fenster. Die Welt schläft. Dunkel heben sich die Umrisse der Bäume, Sträucher und Häuser gegen das helle Mondlicht ab. Eine Laterne leuchtet matt am Straßenrand. Am Himmel leuchten tausende Sterne mit dem Mond um die Wette. Es glitzert und funkelt. Du öffnest dein Zimmerfenster und atmest die frische Nachtluft ein- ein und aus… und ein und aus… ganz tief. Ach wie wäre es schön, jetzt zu den Sternen fliegen zu können.

Da siehst du auf einmal, eine kleine Nussschale, mit weißem Segel, am Himmel auf dich zufliegen. In der Nussschale sitzt ein kleines Männchen, mit einer Laterne in der Hand und einem Säckchen am Gürtel. Das Männchen hat einen blauen Mantel an und ein lustiges kleines Bärtchen am Kinn. Es ist der Sandmann, der dir fröhlich zuwinkt. Er lächelt und du lächelst zurück.

Das kleine Boot hält direkt vor deinem Fenster. Der Sandmann nickt dir zu und du kletterst in das Boot. Eine kuschelige weiche Decke, mit vielen Sternen bedruckt, liegt auf deinem Platz und du kuschelst dich darin ein. Ach ist das schön gemütlich. Ein warmes wohliges Gefühl breitet sich in deinem ganzen Körper aus. Du atmest tief ein und aus.

Das kleine Boot setzt sich in Bewegung. Langsam segelt es hinauf zu den Sternen.

Als es am Mond vorbei fliegt, siehst du den Mann der auf dem Mond wohnt. Er schlendert mit seiner Laterne und seinem dunklen Umhang gemütlich durch den glänzenden Staub. Du winkst ihm fröhlich und er zwinkert dir zu.

Weiter geht die Reise, durch die samtschwarze Nacht, ins tiefe weite All. Ihr fliegt an golden und silbern glitzernden Sternen vorbei.

Bald seid ihr so weit geflogen, dass ihr von weitem die Milchstraße sehen könnt. Unsere wunderschöne, kringelförmige Galaxie, die von all den kleinen und großen Sternen in tausend Farben erstrahlt.

Du fühlst dich ganz leicht und geborgen. Du weißt, dass auch du ein Teil dieses vollkommenen Universums bist.

Langsam wirst du müde und du gähnst. Uuuuaaaaahhhh.

Leise schwebt das Boot zurück Richtung Erde. Deine Augen werden immer schwerer und fallen dir zu. Ihr kommt zu einer wunderbar weichen, flauschigen Wolke. Der Sandmann legt dich hinein und deckt dich schön warm zu.

Dein ganzer Körper ist leicht, entspannt und fühlt sich herrlich warm und müde an. Die Wolke ist so weich und kuschelig. Der Sandmann, streut dir noch ein wenig glänzenden Schlafsand über die Augen, bevor er wieder leise in der Nacht verschwindet. Der gutmütige alte Mond wacht über dein Wolkenbett. Du fühlst dich sicher und geborgen.

Seelig schläfst du ein und du weißt, wenn dich die Sonne am Morgen weckt, wirst du wieder in deinem gemütlichen Bettchen in deinem Zuhause liegen.

Diese und weitere Fantasiereisen und Geschichten findest du auf meinem Märchenblog
http://www.herzschriften.de/reise-zu-den-sternen/

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